Liebe Clausewitz-Freunde,
am 01. Juli, organisierte die Forschungsgemeinschaft am Grab der Familie Clausewitz eine festliche Ehrung von Carl von Clausewitz, anlässlich seines 246. Geburtstages.
Für die Rede am Grab konnten wir die Burger Schriftstellerin Dorothea Iser gewinnen.
Ich war von ihren Ausführungen tief beeindruckt. Auch unsere Gäste haben sich sehr positiv darüber geäußert, dass eine Frau zu Clausewitz gesprochen hat. Besten Dank Dorothea Iser. Diesen Beitrag werden wir in unserem Jahrbuch veröffentlichen.
Folgende Kränze wurden niedergelegt:
- Reservistenkameradschaft „Generalmajor Carl von Clausewitz“ e.V.
- Kameradenkreis FJB/LStR 40 „Carl von Clausewitz“ e.V.
- Logistikbataillon 171 Burg
- Heimatverein Burg e.V.
- Stadtratsfraktion der AfD
- Forschungsgemeinschaft Clausewitz – Burg e.V.
Bernd Domsgen
Dorothea Iser Carl von Clausewitz zum 246. Geburtstag
Wer an Clausewitz denkt, hat das Zitat vom Krieg als bloße Fortsetzung der Politik mit anderen Mitteln im Kopf. Das ist so verbreitet, das möchte man nicht mehr hören. Darauf lässt sich Clausewitz nicht reduzieren.
Nicht von Historikern, Militärexperten, Politologen, Publizisten und auch nicht von Akademikern. In Burg, seiner Heimatstadt, schon gar nicht. Auch wenn er sie früh verlassen hat und nie mehr zurückkehrte, um dort zu leben. Ein Zwölfjähriger verlässt das Elternhaus und zieht in den Krieg. Niemand ahnt, dass aus diesem Jungen einmal der wohl einflussreichste Denker über Krieg und Politik werden wird. Keiner weiß, was ihn treibt.
Eine unstillbare Neugier auf das Leben, auf das Warum der Siege und der Niederlagen. Eine brennende Sehnsucht, im Alltäglichen nicht unterzugehen. Die Hoffnung, alles ordnet sich einem höheren Ziel zu. Dafür hat er gekämpft, geliebt, gelebt. Hinter allem steht das Vaterland. Und die Treue zum König. Er lernte zu verstehen, dass beides zugleich manchmal unmöglich ist. Da heißt es, dem Gewissen zu folgen, sich zu entscheiden, selbst wenn es die Karriere kostet oder sogar das Leben. Also Gehorsam nicht um jeden Preis. Wage zu wissen! Sapere aude, forderte Kant. Habe den Mut, dich deines eigenen Verstandes zu bedienen. Das gilt auch für Generäle. In einer Zeit der Umbrüche. Europa im Aufbruch. Die alte Welt zerfällt. Und da ist Marie. Wir stehen ja hier am Grab der Clausewitz’s.
Wo er ist, ist auch Marie. Heute wissen wir, sie waren nicht nur Eheleute, sie waren Seelenverwandte, wie es in der Literatur manchmal vorkommt und meistens tragisch endet. Es war ein kurzer Weg, der sie zueinander führte, aber endlose Schritte, ehe die Verbindung von der Gesellschaft anerkannt wurde. Marie, eine der intelligentesten Frauen ihrer Zeit, stammte aus altem Adel und Carl, der wissenshungrige Offizier, kam aus bescheidenen Verhältnissen. Sie verzehrten sich nacheinander. So nannte man das früher. Es klingt pathetisch, aber Pathos war kein Thema für sie. Sie schrieben sich romantische Briefe. Hoffnungslos verliebt schrieb er Marie: „Sie glauben nicht, teure Marie, wie viel mir die Vorstellung in den bittersten Augenblicken ist, von Ihnen geliebt zu werden. Er ist der einzige Trost meines Lebens und er erheitert mich zu jeder Stunde mit seiner wunderbaren Kraft.
Wenn ich zuweilen in meinen Privatverhältnissen etwas tue, was mich mit meinem bedeutungslosen Dasein auf Augenblicke aussöhnt, oh so wünsche ich nichts mehr, als das wohltätige Selbstbewusstsein Ihnen als Lohn für eine Liebe darbringen zu können, die der Himmel in meinen Augen nur geschaffen hat, um etwas recht Großes und Gutes zu vergelten! Wenn ich dies nie leisten kann, so wird es mir ewig als ein Raub an dem Himmel erscheinen, Ihre ungeteilte Liebe zu besitzen, – der Gegenstand Ihrer höchsten Empfindungen zu sein!“ Clausewitz war mehr als der Autor von „Vom Kriege“. Er dachte nicht nur über den Krieg nach, er hat ihn erlebt – von Mainz bis Waterloo.
Ein wichtiger Satz für mich ist: Nichts ist so einfach wie die Kriegsführung. Aber das Einfache ist schwer. Damit meinte er Reibungen, Zufall, menschliche Schwäche. 246 Jahre später stehen wir hier in Burg an seinem Grab. Clausewitz wollte denkende Offiziere, keine blinden Befehlsausführer. Er verließ die preußische Armee, weil er sah, dass Preußen unter französischem Befehl keine Chance hatte, wieder ein mächtiges Preußen zu werden und weil sein Gewissen es ihm nicht erlaubte, gegen Russland für Napoleon zu kämpfen. So kämpfte er unter dem Zaren Alexander I. gegen Napoleon. Nach den Befreiungskriegen kehrte er ins preußische Militär zurück, wo er unter Gneisenau diente.
Was für Entscheidungen! Immanuel Kant forderte Sapere aude – habe Mut, dich deines Verstandes zu bedienen. Sapere aude – das gilt auch für mich. Und vielleicht für alle hier in Burg. Jede Zeit braucht mutig denkende Menschen. Auch unsere. In diesem Sinne ehren wir Carl von Clausewitz.
Dorothea Iser







































